Ein Event über drei Tage zu streamen ist vor allem Planung. Die Technik ist dieselbe wie bei jedem anderen Stream, aber du hast keinen zweiten Versuch: Das Turnier, die Messe oder das Vereinsfest findet statt, ob dein Stream läuft oder nicht. Deshalb gehört der wichtigste Termin auf den Abend davor.

Dieser Artikel geht die Planung in der Reihenfolge durch, in der du sie brauchst. Als Beispiel dient ein Event von Freitag bis Sonntag mit PGM.NINJA als Regie. Die Fragen sind mit jedem anderen Setup dieselben.

Zuerst das Netz am Ort

Frag den Veranstalter früh nach einem Netzanschluss und teste ihn selbst. Auf den Upload kommt es an, und darauf, ob das Netz UDP nach außen durchlässt. Viele Firmen- und Gäste-WLANs blockieren oder drosseln UDP, und SRT braucht es. Der Ausweg ist ein Mobilfunk-Hotspot oder ein Gespräch mit dem Admin. Mehr dazu in UDP blockiert im Hotel-WLAN.

Die Quellen

Schreib auf, was ins Bild soll, und wer es sendet:

  • die Hauptkamera auf die Bühne oder das Spielfeld
  • eine zweite Kamera für Interviews oder die Totale
  • ein Laptop mit OBS für Spielbild, Folien oder Einspieler
  • ein Handy für Gänge über das Gelände

Bei PGM.NINJA sendet jede Quelle per SRT an ihre eigene Adresse, bis zu acht gleichzeitig. Wichtig für die Planung: Die Zahl der Eingänge legst du fest, bevor du das Studio startest. Im laufenden Betrieb lässt sie sich nicht ändern. Nimm also einen oder zwei Eingänge mehr, als du am Freitagmorgen brauchst.

Jeder Eingang ist eine Szene über das ganze Bild, und sie bringt ihren eigenen Ton mit: Bei einem Schnitt wechselt der Ton mit dem Bild, zwei Eingänge sind nie gleichzeitig zu hören. Soll der Saalton unter jeder Kamera liegen, muss jede Quelle ihn selbst mitsenden. Bild-in-Bild und Überblendungen gibt es noch nicht. Wer ein Spielbild mit kleinem Kamerafenster zeigen will, baut das im OBS auf dem Laptop und sendet es als eine Quelle. Eine Aufzeichnung macht das Studio ebenfalls nicht. Wenn du das Material hinterher brauchst, nimm an der Quelle auf oder nutze das Archiv der Plattform.

Die Ziele

Ein Event hat oft mehrere Kanäle: den des Veranstalters, den eines Sponsors, deinen eigenen. Bis zu acht RTMP(S)-Ziele laufen gleichzeitig aus dem einen Programm. Hängt ein Ziel, verbindet es sich selbst neu und die anderen merken nichts davon.

Der Veranstalter muss dir dafür seinen Stream-Key nicht geben. Er kann seinen Kanal für einen Zeitraum mit dir teilen, und du sendest aus deinem Studio dorthin, ohne den Key je zu sehen. Wie das geht, steht in Stream-Key sicher teilen.

Wer die Regie fährt

Die Regie läuft im Browser. Wer sie bedient, muss nicht am Ort sein, und sie funktioniert auch vom Handy aus. Legt vorher fest:

  • Wer schneidet, und wer vertritt diese Person in den Pausen.
  • Was auf Sendung ist, wenn nichts passiert. Das Overlay läuft immer, auch wenn eine Kamera ausfällt.
  • Was bei einem Kameraausfall geschieht. Das Studio wechselt nicht von selbst. Jemand schneidet von Hand auf eine andere Quelle.

Wer lieber Tasten drückt: Das Studio spricht das OBS-WebSocket-Protokoll, also lassen sich Bitfocus Companion oder ein Stream Deck anschließen. Wie Programm und Vorschau zusammenarbeiten, zeigt Programm und Vorschau.

Die Rechnung mit den Tagen

Bezahlt wird pro Kalendertag, an dem du dein Studio startest. Drei Tage kosten in der Beta 20 € netto, die deutsche Umsatzsteuer kommt dazu. Jeder Tag enthält alle Eingänge, alle Ziele und beliebig viele Stunden.

Ein Tag ist ein Kalendertag in UTC. Daraus folgen drei Dinge für ein Wochenende:

  1. Der Probelauf am Donnerstagabend kostet keinen vierten Tag. Startest du das Studio an einem unbezahlten Tag ab 18:00 UTC, zählt der Tag für den folgenden Kalendertag, und der Rest des laufenden Tages ist frei. 18:00 UTC ist 19:00 Uhr im Winter und 20:00 Uhr im Sommer. Ein Test am Donnerstag ab dieser Zeit verbraucht also den Tag für Freitag. Ein Test am Donnerstagnachmittag verbraucht einen eigenen Tag.
  2. Mitternacht UTC ist die Grenze. Sie liegt um 1:00 Uhr im Winter und um 2:00 Uhr im Sommer. Ist das Studio dann am Sonntag noch offen, wird der Montag berechnet. Beende die Sendung und schließe das Studio vorher.
  3. Übrige Tage verfallen nie. Fällt der Sonntag aus, bleibt der Tag auf deinem Konto für das nächste Event.

Alle Regeln stehen in Tage und Preise und Abends starten.

Der Probelauf

Am Vorabend wird alles aufgebaut, wie es am Freitag stehen soll, mit dem Netz des Veranstaltungsorts.

  • Jede Quelle sendet mindestens 20 Minuten. Die Anzeige auf dem Tab „Eingänge“ zeigt Bitrate und verlorene Pakete.
  • Den Ton jeder Quelle abhören, Pegel angleichen, Bild und Ton auf Versatz prüfen.
  • Jedes Ziel einmal wirklich senden lassen, notfalls auf einen privaten oder ungelisteten Stream.
  • Ein Kabel ziehen. Sehen, was die Regie anzeigt, und üben, was dann zu tun ist.

Checkliste

Eine Woche vorher

  • Netz am Ort geklärt und getestet, Ausweichweg über Mobilfunk vorhanden
  • Liste der Quellen und Ziele fertig, Kanäle geteilt
  • Tage gekauft

Am Vorabend

  • Zahl der Eingänge festgelegt, mit Reserve
  • Adressen in allen Kameras und Apps eingetragen
  • Overlay geladen und geprüft
  • Probelauf mit allen Quellen und Zielen

An jedem Eventtag

  • Studio starten, alle Quellen prüfen, dann auf Sendung gehen
  • Nach dem letzten Programmpunkt Sendung beenden und Studio schließen

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