Ein IRL-Rucksack besteht aus vier Dingen: einer Kamera, etwas, das ihr Bild kodiert und sendet, Strom für mehrere Stunden und einer Mobilfunkverbindung, die möglichst selten ausfällt. Alles Weitere sind Kabel, Halterungen und Vorsorge gegen Wärme.
Bevor du etwas kaufst, streame ein paar Mal nur mit dem Handy. Der Rucksack löst Probleme, die du dann kennst: ein besseres Bild, längere Laufzeit, freie Hände. Probleme, die du nicht hast, macht er nur schwerer.
Kamera
Zwei Kategorien haben sich bewährt:
- Das Handy selbst. Es ist Kamera, Encoder und Modem in einem Gerät. Für viele Streams bleibt es die beste Lösung, weil nichts verkabelt werden muss.
- Eine Actioncam oder kompakte Kamera mit sauberem HDMI-Ausgang. „Sauber“ heißt, dass am Ausgang nur das Bild liegt, ohne Menüs und Anzeigen. Sie bringt Weitwinkel, Stabilisierung und ein Bild, das auch bei wenig Licht hält.
Achte bei einer eigenen Kamera darauf, dass sie am Ladegerät dauerhaft läuft und sich nicht nach einer festen Zeit abschaltet.
Encoder
Das Bild der Kamera muss zu H.264 werden und ins Netz. Dafür gibt es drei Wege:
| Weg | Was er ist | Wofür |
|---|---|---|
| Handy-App | Moblin, IRL Pro oder Larix auf dem Handy | der leichteste Rucksack |
| Hardware-Encoder | ein Gerät mit HDMI-Eingang, das SRT sendet | lange Streams, eigene Kamera |
| Bonding-Encoder | LiveU Solo, BELABOX | mehrere Mobilfunknetze gebündelt |
LiveU Solo ist ein Hardware-Encoder, der mehrere Verbindungen zur eigenen Cloud des Herstellers bündelt und außerdem SRT ausgeben kann. BELABOX ist ein Bonding-Encoder mit offenem Quelltext.
Stelle den Encoder auf H.264, konstante Bitrate und ein Keyframe alle 2 Sekunden. Warum H.264 und nicht H.265, steht in H.264 oder H.265.
Strom
Rechne nicht mit Herstellerangaben, sondern miss. Baue alles zu Hause auf, wie es im Rucksack liegen wird, sende eine Stunde und schau, wie viel Prozent die Powerbank verloren hat. Daraus ergibt sich die Laufzeit, und davon ziehst du ein Viertel als Reserve ab.
- Eine Powerbank mit 20 000 mAh ist eine übliche Größe für ein Handy-Setup. Mit Kamera und Encoder brauchst du entsprechend mehr.
- Zwei mittlere Powerbanks sind besser als eine große. Du kannst im laufenden Stream wechseln, und fällt eine aus, ist nicht alles dunkel.
- Prüfe, ob die Powerbank alle Geräte gleichzeitig mit genug Leistung versorgt. Manche drosseln, sobald ein zweiter Ausgang belegt ist.
- Manche Powerbanks schalten ab, wenn ein Gerät nur wenig Strom zieht. Das merkst du erst im Test.
Wärme
Wärme beendet mehr IRL-Streams als leere Akkus. Ein Handy, das gleichzeitig kodiert, sendet und lädt, wird heiß, dunkelt den Bildschirm ab und lässt irgendwann Bilder aus.
- Der Rucksack braucht Luft. Offene Netzfächer oder eine Außenhalterung helfen mehr als ein geschlossenes Fach.
- Geräte nicht aufeinander stapeln, die Powerbank nicht ans Handy pressen.
- Im Sommer hilft es, die Auflösung auf 720p zu senken.
- Dunkle Geräte in der prallen Sonne sind ein Problem für sich. Ein heller Stoff darüber wirkt.
Kabel
Die meisten Ausfälle unterwegs sind lose Stecker. Nimm kurze Kabel, gewinkelte Stecker dort, wo ein Kabel im Rucksack knickt, und sichere jede Verbindung gegen Zug. Ein Ersatzkabel jeder Sorte wiegt fast nichts und rettet einen Stream.
SIM-Karten
Kein Netz ist überall gut. Zwei SIM-Karten in verschiedenen Netzen sind die einfachste Vorsorge: als zweite SIM im Handy oder in einem zweiten Gerät, das einen Hotspot aufspannt.
Ohne Bonding ist das ein Wechsel von Hand. Du schaltest auf die andere Karte um, die SRT-Verbindung bricht ab und baut sich neu auf. Sendest du dabei an eine Station in der Cloud, bleibt der Stream zur Plattform in dieser Zeit online. Beim direkten Weg zur Plattform beginnt ein neuer Stream.
Zum Datenverbrauch: 4 Mbit/s sind etwa 1,8 GB pro Stunde, 6 Mbit/s etwa 2,7 GB. Mehr dazu in Die richtige Bitrate für IRL.
Wo Bonding-Hardware ins Spiel kommt
Bonding verteilt den Stream gleichzeitig auf mehrere Verbindungen. Fällt ein Netz aus, tragen die anderen weiter, ohne dass du etwas umschaltest. Das ist der Schritt vom Hobby-Rucksack zum Setup für lange Strecken durch schlechtes Netz.
Bonding braucht immer zwei Seiten: den Encoder im Rucksack und einen Empfänger, der dasselbe Verfahren spricht und die Teile wieder zusammensetzt. Ein BELABOX oder eine App mit SRTLA braucht einen SRTLA-Empfänger.
PGM.NINJA ist ein solcher Empfänger heute nicht. Das Studio nimmt einfaches SRT an, SRTLA ist geplant. Bis dahin sendest du über eine einzelne Mobilfunkverbindung, und die zweite SIM bleibt der Wechsel von Hand. Wenn du Bonding jetzt brauchst, passt ein Relay-Dienst mit SRTLA besser, siehe IRLHost und IRLServer im Vergleich.
Was das Studio im Rucksack-Alltag leistet: Fällt die Kamera aus, bleibt der Stream zur Plattform online und das Overlay läuft weiter. Den Schnitt auf eine andere Quelle machst du von Hand, eine automatische „Gleich zurück“-Szene ist noch nicht gebaut.