Für den ersten IRL-Stream brauchst du kein Rucksack-Setup. Ein aktuelles Handy, eine Streaming-App, genug Datenvolumen, eine Powerbank und ein Mikrofon, das den Wind aushält, reichen aus. Alles andere kommt später, wenn du weißt, was dich an deinem Setup stört.

Die eine Entscheidung, die du gleich am Anfang treffen solltest, ist der Weg des Streams: Sendet dein Handy direkt zur Plattform, oder sendet es an eine Station dazwischen, die den Stream hält, wenn dein Netz kurz ausfällt. Davon hängt ab, ob ein Funkloch deine Sendung beendet.

Das Handy

Ein Handy der letzten Jahre kann 1080p oder 720p in H.264 kodieren, und mehr brauchst du nicht. Wichtiger als die Kamera ist, wie warm das Gerät wird: Kodieren, Senden und Laden gleichzeitig heizt es auf, in der Sonne erst recht. Nimm die Hülle ab, wenn es heiß wird, und streame lieber in 720p flüssig als in 1080p mit Rucklern.

Die App

Die eingebauten Apps der Plattformen senden direkt und lassen wenig einstellen. Für IRL haben sich eigene Apps durchgesetzt:

  • Moblin: kostenlos, Open Source, für iOS.
  • IRL Pro: für Android.
  • Larix Broadcaster: für iOS und Android.

Alle drei senden SRT, und das ist der Punkt, auf den es ankommt. Mehr dazu steht in Moblin, IRL Pro, Larix: welche App wofür.

Mobile Daten

Ein Stream verbraucht, was seine Bitrate vorgibt, und zwar die ganze Zeit.

Bitrate Verbrauch pro Stunde passt zu
4 Mbit/s etwa 1,8 GB wackeligem Mobilfunk, Innenstadt, Bahn
6 Mbit/s etwa 2,7 GB gutem 5G oder WLAN

Ein Tarif mit ein paar Gigabyte ist nach einem Nachmittag leer. Rechne vorher: Stunden mal Verbrauch, plus Reserve. Welche Bitrate zu welchem Netz passt, erklärt Die richtige Bitrate für IRL.

Strom

Ein Handy, das streamt, hält mit dem eigenen Akku selten einen ganzen Nachmittag durch. Eine Powerbank mit 20 000 mAh ist eine übliche Größe für den Anfang. Teste zu Hause, wie lange dein Handy damit wirklich sendet, statt einer Rechnung zu vertrauen: eine Stunde Teststream, dann schauen, wie viel die Powerbank verloren hat. Ein kurzes, festes Kabel ist mehr wert als ein langes, das beim Gehen aus der Buchse rutscht.

Ton

Zuschauer verzeihen ein unscharfes Bild, aber keinen Ton, den sie nicht verstehen. Das eingebaute Mikrofon nimmt draußen vor allem Wind und Verkehr auf. Ein kleines Ansteckmikrofon mit Windschutz, per Kabel oder Funk, ist die erste Anschaffung, die sich lohnt. Prüfe vor jedem Stream, ob die App wirklich dieses Mikrofon nimmt und nicht das eingebaute.

Direkt zur Plattform oder über eine Zwischenstation

Der einfachste Weg ist RTMP direkt zu Twitch, YouTube oder Kick. Er kostet nichts und ist in zwei Minuten eingerichtet. Sein Nachteil zeigt sich im ersten Tunnel: Reißt die Verbindung für einen Moment ab, beendet die Plattform den Stream. Deine Zuschauer sehen den Kanal offline, und wenn du wieder Netz hast, beginnt ein neuer Stream. Warum das so ist, steht in Warum dein Twitch-Stream im Funkloch offline geht.

Der andere Weg führt über eine Station im Rechenzentrum. Dein Handy sendet per SRT dorthin, und die Station hält die Verbindung zur Plattform, egal was dein Netz gerade tut. Dafür gibt es mehrere Bauarten:

  • ein Relay, das dein Signal an das OBS bei dir zu Hause weitergibt,
  • ein gemietetes OBS in der Cloud,
  • ein Studio im Browser wie PGM.NINJA.

PGM.NINJA nimmt bis zu acht Quellen per SRT an, legt dein Overlay darüber und sendet das Programm an bis zu acht Ziele. Fällt deine Kamera aus, bleibt der Stream zur Plattform online und das Overlay läuft weiter. Zwei Dinge solltest du vorher wissen: Eine automatische „Gleich zurück“-Szene gibt es noch nicht, du schneidest von Hand auf eine andere Quelle. Und SRTLA-Bonding, also mehrere Mobilfunkverbindungen gebündelt, ist geplant, aber noch nicht gebaut. Bis dahin sendest du über eine einzelne Verbindung. Die Bauarten im Vergleich findest du in Cloud-OBS, Relay oder Studio.

Der erste Teststream

Geh nicht mit einem ungetesteten Setup raus. Ein Probelauf zu Hause dauert eine halbe Stunde:

  1. Stelle in der App H.264, 720p oder 1080p, konstante Bitrate und ein Keyframe alle 2 Sekunden ein. Für den Ton passt AAC mit 128 bis 160 kbit/s.
  2. Sende zuerst im WLAN und schau dir den Stream auf einem zweiten Gerät an. Achte auf den Ton.
  3. Schalte das WLAN aus und sende über Mobilfunk. Geh dabei durch die Wohnung und vor die Tür.
  4. Schalte das Handy kurz in den Flugmodus. Jetzt siehst du, was deine Zuschauer in einem Funkloch sehen.
  5. Lass den Stream eine Stunde laufen und prüfe danach Akku, Temperatur und Datenverbrauch.

Punkt 4 ist der wichtigste. Wer ihn einmal gesehen hat, weiß, ob ihm der direkte Weg reicht.

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