Dein Stream geht offline, weil dein Handy direkt mit Twitch verbunden ist. Reißt das Mobilfunknetz für ein paar Sekunden ab, reißt damit auch die einzige Verbindung ab, die Twitch von dir hat. Die Plattform wartet eine kurze Weile, beendet dann den Stream, und deine Zuschauer sehen den Kanal als offline.
Verhindern lässt sich das, indem du nicht mehr direkt an Twitch sendest, sondern an eine Zwischenstation im Rechenzentrum. Sie hält die Verbindung zur Plattform, auch wenn von dir gerade nichts ankommt.
Was beim Funkloch passiert
Streaming-Apps senden üblicherweise per RTMP an die Plattform. RTMP läuft über TCP, und TCP will jedes Datenpaket in der richtigen Reihenfolge zustellen. Bei gutem Netz ist das unauffällig. Stockt die Verbindung, staut sich alles: Die App produziert weiter Bild und Ton, bekommt die Daten aber nicht los.
Dauert der Stau nur einen Augenblick, ruckelt das Bild. Dauert er länger, gilt die Verbindung als verloren. Twitch beendet einen Stream, wenn vom Sender eine kurze Zeit lang nichts mehr ankommt. Verbindet sich deine App danach wieder, beginnt ein neuer Stream. Für die Zuschauer heißt das: Der Player bleibt stehen, der Kanal ist offline, viele sind weg, bevor du wieder da bist.
Ein Funkloch ist dabei nichts Besonderes. Ein Tunnel, ein Wechsel der Funkzelle, eine volle Zelle auf einem Festival oder ein Aufzug reichen aus.
Die Idee: jemand anderes hält die Verbindung
Die Verbindung zwischen einem Rechenzentrum und Twitch ist stabil. Instabil ist nur das Stück von dir bis ins Internet. Also trennst du die beiden Strecken:
- Du sendest von unterwegs an einen Server.
- Der Server sendet an Twitch und hört damit nicht auf, wenn du kurz weg bist.
Für die erste Strecke nimmt man meist SRT statt RTMP. SRT ist für schlechte Netze gebaut und holt verlorene Pakete innerhalb eines kurzen Zeitfensters nach, sodass kleine Aussetzer gar nicht erst sichtbar werden. Den Unterschied erklärt SRT vs. RTMP.
Wichtig ist, was der Server tut, wenn von dir wirklich nichts mehr kommt. Er muss weiter ein Bild und einen Ton an die Plattform liefern. Was er in dieser Zeit zeigt, unterscheidet die Angebote.
Drei Arten von Zwischenstation
Es gibt drei Arten solcher Dienste. Ein Relay nimmt deinen Stream an und reicht ihn an ein OBS weiter, das bei dir zu Hause läuft und von dort an die Plattform sendet. Ein Cloud-OBS ist ein gemieteter Rechner, auf dem OBS für dich läuft, sodass zu Hause nichts an sein muss. Ein Cloud-Studio ist ein Dienst, der selbst mischt und sendet und den du im Browser bedienst. Was jede Art kostet, kann und von dir verlangt, steht im Vergleich Relay, Cloud-OBS oder Cloud-Studio.
Was PGM.NINJA macht
PGM.NINJA ist ein Cloud-Studio. Deine Kamera sendet per SRT an dein Studio. Das Studio macht daraus das Programm, legt dein Overlay darüber und sendet es an Twitch, YouTube, Kick oder ein anderes RTMP(S)-Ziel.
Fällt deine Kamera aus, passiert Folgendes:
- Der Stream zur Plattform bleibt online. Der Kanal geht nicht offline, es beginnt kein neuer Stream.
- Dein Overlay läuft weiter, also Alerts, Chat-Box und alles, was auf der Overlay-Seite liegt.
- Das Bild der Kamera fehlt, bis sie wieder da ist oder du auf eine andere Quelle schneidest.
- Kommt die Verbindung zurück, ist das Bild wieder da, ohne dass du etwas neu starten musst.
Ehrlich dazu: Der Schnitt auf eine andere Quelle geschieht heute von Hand. Du oder jemand aus deinem Team schaltet in der Regie im Browser um, das geht auch vom Handy. Eine Szene, die bei einem Ausfall von selbst erscheint, ist geplant, aber noch nicht gebaut. Mehrere der anderen Dienste können das bereits. Wenn du allein unterwegs bist und eine automatische Pausenszene für dich das Wichtigste ist, bist du dort im Moment besser aufgehoben.
Praktisch heißt das für einen Stream mit PGM.NINJA: Ein kurzes Funkloch überbrückt SRT, ohne dass jemand etwas merkt. Bei einem längeren Ausfall bleibt der Stream bestehen und zeigt dein Overlay ohne Kamerabild. Mit einer zweiten Quelle, etwa einer zweiten Person mit Kamera oder einem Moderator am Rechner, kannst du in der Zwischenzeit dorthin schneiden. Die Einzelheiten stehen in Wenn eine Kamera ausfällt.
Was du selbst tun kannst
Eine Zwischenstation fängt den Ausfall ab, sie macht dein Netz aber nicht besser. Drei Dinge helfen unabhängig davon, welchen Dienst du nimmst:
- Bitrate senken. Ein Stream mit 3 bis 4 Mbit/s kommt durch Netze, in denen 6 Mbit/s ständig stocken. Mehr dazu in Welche Bitrate für IRL-Streams.
- Dem Netz etwas Zeit geben. Eine höhere SRT-Latenz in der App lässt mehr Zeit zum Nachsenden verlorener Pakete. Wie du sie wählst, steht in SRT-Latenz einstellen.
- Mehrere Netze bündeln. Manche Apps und Geräte senden über mehrere Mobilfunkverbindungen zugleich (SRTLA). Das hilft viel, braucht aber einen Dienst, der es annimmt. PGM.NINJA nimmt heute eine einfache SRT-Verbindung an; SRTLA steht auf dem Plan.