Moblin ist eine kostenlose Streaming-App für iOS, deren Quelltext offen ist. Sie ist für IRL-Streams gemacht, also für das Senden von unterwegs über Mobilfunk, und sie sendet unter anderem SRT, SRTLA und RTMP. Damit kann sie direkt zu einer Plattform senden oder an einen Server, der den Stream weiterreicht.

Die App ersetzt die eingebaute Streaming-Funktion der Plattform-Apps durch etwas, das du einstellen kannst: Codec, Auflösung, Bitrate und vor allem das Protokoll. Auf Android übernehmen meist IRL Pro oder Larix Broadcaster diese Rolle.

Was Moblin sendet

Die drei Protokolle stehen für drei Wege, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.

Protokoll Wohin Was es im Mobilfunk bedeutet
RTMP direkt zu Twitch, YouTube, Kick läuft über TCP; reißt die Verbindung ab, beendet die Plattform den Stream
SRT an einen SRT-Empfänger läuft über UDP und fordert verlorene Pakete innerhalb eines Zeitfensters nach
SRTLA an einen passenden SRTLA-Empfänger bündelt mehrere Verbindungen, etwa Mobilfunk und WLAN

RTMP ist der kürzeste Weg, aber der empfindlichste. SRT wurde für schlechte Netze gebaut und ist das Protokoll, das fast jede Station zwischen dir und der Plattform annimmt. SRTLA setzt auf SRT auf und verteilt den Stream auf mehrere Verbindungen. Dafür braucht es auf der anderen Seite einen Empfänger, der SRTLA versteht. Die Grundlagen stehen in Was ist SRT? und SRT oder RTMP.

Für wen die App passt

Moblin passt, wenn du ein iPhone hast und mehr willst als einen Knopf „Live gehen“. Du bestimmst selbst, wie viel Bitrate dein Netz tragen soll und wie viel Zeit SRT bekommt, um Verluste zu reparieren. Weil die App kostenlos ist, kannst du das alles ausprobieren, bevor du Geld für Zubehör ausgibst.

Wer ein Android-Handy hat, schaut in den Vergleich Moblin, IRL Pro, Larix: welche App wofür.

Moblin und ein Studio

Sendet Moblin direkt zu Twitch, hängt dein Kanal an deinem Mobilfunk. Sendet Moblin per SRT an ein Studio in der Cloud, hängt dein Kanal am Rechenzentrum, und dein Mobilfunk darf kurz ausfallen.

Mit PGM.NINJA sieht das so aus:

  1. Dein Studio zeigt auf dem Tab „Eingänge“ für jeden Eingang eine Adresse in der Form srt://<host>:<port>?streamid=<id>. Sie bleibt normalerweise für jeden Stream dieselbe.
  2. In Moblin legst du damit ein SRT-Ziel an. Das Studio wartet auf die Verbindung, die App baut sie auf. Eine Passphrase gibt es nicht, das Feld bleibt leer.
  3. Stelle H.264 ein. H.265 nimmt das Studio als Eingang nicht an, mehr dazu in H.264 oder H.265.
  4. Das Studio legt dein Overlay über das Bild, kodiert das Programm und sendet es an bis zu acht Ziele.

Die Latenz stellst du in der App ein. Das Studio arbeitet mit 200 ms. Verlangt die App mehr, gilt der größere Wert. Im Mobilfunk lohnt sich mehr, siehe SRT-Latenz einstellen.

Die Grenze: SRTLA

Moblin kann SRTLA senden, PGM.NINJA kann es heute nicht empfangen. Bonding steht auf dem Plan, gebaut ist es noch nicht. Bis dahin sendest du mit Moblin einfaches SRT über eine einzelne Verbindung. Das funktioniert zuverlässig, solange diese eine Verbindung trägt, und es hilft nicht, wenn genau dieses Netz an deinem Standort schwach ist.

Wenn Bonding für dich entscheidend ist, weil du etwa regelmäßig durch Gegenden mit schlechtem Empfang fährst, brauchst du heute einen Empfänger, der SRTLA spricht. Das sind Relay-Dienste oder ein eigener Server. Was es da gibt, beschreibt IRLHost und IRLServer im Vergleich.

Moblin als Fernbedienung

Moblin kann außerdem Software fernsteuern, die das Protokoll von OBS spricht. Gedacht ist das für das OBS zu Hause: Wer unterwegs ist, wechselt vom Handy aus die Szene.

Das Studio von PGM.NINJA spricht dasselbe Protokoll, obs-websocket in Version 5. Die Verbindungsdaten stehen auf dem Tab „Fernsteuerung“. Dieselbe Schnittstelle nutzen auch Bitfocus Companion, Stream-Deck-Plugins für OBS und Apps wie OBS Blade. Darüber lassen sich Szenen wechseln, der Ton einstellen und die Sendung starten und beenden.

Für IRL ist das praktisch, weil das Studio heute nicht von selbst auf eine andere Quelle wechselt, wenn deine Kamera ausfällt. Den Schnitt machst du von Hand, und eine Fernbedienung in derselben App, mit der du sendest, spart den Wechsel in den Browser. Sie braucht allerdings wie alles auf dem Handy eine Verbindung. Im Funkloch selbst erreichst du das Studio auch damit nicht.

Kurz gesagt

  • Moblin ist kostenlos, Open Source und läuft auf iOS.
  • Es sendet unter anderem SRT, SRTLA und RTMP.
  • Mit einem SRT-Empfänger in der Mitte übersteht dein Stream ein Funkloch.
  • Mit PGM.NINJA funktioniert einfaches SRT. SRTLA-Bonding ist geplant.

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