Die SRT-Latenz stellst du in deiner App ein, nicht im Studio. Als Richtwert empfehlen wir etwa 200 ms auf Glasfaser und gutem WLAN, 500 bis 1000 ms in einem guten Mobilfunknetz und 1500 bis 2000 ms in einem schlechten.

Mehr Latenz bedeutet mehr Verzögerung und weniger Bildfehler. Weniger Latenz bedeutet ein direkteres Signal, das auf einer unruhigen Verbindung schneller Fehler zeigt.

Was der Wert tut

SRT überträgt über UDP. Geht unterwegs ein Paket verloren, fordert der Empfänger es noch einmal an. Dafür braucht er Zeit: Das Paket muss als fehlend erkannt, neu angefordert und noch einmal geschickt werden. Die Latenz ist das Zeitfenster, das SRT dafür bekommt. Der Empfänger hält alles so lange zurück und gibt es danach in der richtigen Reihenfolge weiter.

Kommt ein Paket innerhalb des Fensters nach, merkt niemand etwas. Kommt es zu spät, fehlt es. Das zeigt sich als Bildfehler bis zum nächsten Keyframe und als Lücke im Ton.

Wer den Wert bestimmt

Dein Studio empfängt mit einem Puffer von 200 ms. Verlangt deine App mehr, gilt der größere Wert. Das heißt:

  • Steht in der App nichts oder weniger als 200 ms, sind es 200 ms.
  • Steht in der App 1000 ms, sind es 1000 ms.

Die Seite des Studios lässt sich nicht verändern. Alles, was du einstellen willst, stellst du in der App ein.

Richtwerte

Verbindung Latenz Anmerkung
Glasfaser, Kabel, gutes WLAN etwa 200 ms Kaum Verluste, das kleine Fenster reicht.
Guter Mobilfunk (5G, starkes LTE) 500–1000 ms Funk verliert Pakete in Schüben. Das Fenster muss länger sein als so ein Schub.
Schlechter Mobilfunk, viel Bewegung, volle Zellen 1500–2000 ms Viel Zeit für Wiederholungen, dafür deutlich mehr Verzögerung.

Das sind unsere Empfehlungen, keine festen Grenzen. Die richtige Zahl hängt von deiner Strecke ab und lässt sich nur dort finden, wo du tatsächlich sendest.

Achtung bei der Einheit

Die Apps fragen nicht alle in derselben Einheit:

  • Die meisten Apps erwarten Millisekunden: 1000 steht für eine Sekunde.
  • ffmpeg erwartet in der SRT-Adresse Mikrosekunden: latency=200000 sind 200 ms, latency=1000000 ist eine Sekunde.

Ein Wert, der in der falschen Einheit eingetragen ist, liegt um den Faktor 1000 daneben. Wenn die Verzögerung nach einer Änderung gar nicht zu deiner Erwartung passt, prüfe das zuerst.

So findest du deinen Wert

  1. Beginne mit dem Richtwert für deine Verbindung.
  2. Sende ein paar Minuten und öffne im Studio den Tab „Eingänge“. Die Anzeige der Verbindungsqualität zeigt für jeden Eingang die Bitrate, die Pakete, die als Wiederholung ankamen, und die Pakete, die nie ankamen.
  3. Wiederholte Pakete sind kein Problem: SRT hat sie rechtzeitig repariert. Genau dafür ist die Latenz da.
  4. Steigt die Zahl der Pakete, die nie ankamen, reicht das Fenster nicht. Erhöhe die Latenz in der App schrittweise, zum Beispiel um 500 ms, und beobachte wieder.
  5. Bleiben die Verluste trotz hoher Latenz, ist die Bitrate zu hoch für die Leitung. Dann hilft nur, die Bitrate zu senken. Siehe Die richtigen Encoder-Einstellungen.

Die App muss sich nach einer Änderung meist neu verbinden, damit der neue Wert gilt.

Was die Latenz kostet

Die SRT-Latenz kommt zur Gesamtverzögerung deines Streams dazu. Für die Zuschauer fällt eine Sekunde mehr kaum auf, weil die Plattformen selbst mehrere Sekunden hinzufügen. Für dich in der Regie bedeutet sie, dass du ein Bild entsprechend später siehst und ein Schnitt entsprechend später wirkt.

Hat jede Quelle eine andere Latenz, kommen ihre Bilder auch unterschiedlich spät im Studio an. Wenn zwei Kameras dasselbe Geschehen zeigen, fällt das beim Schnitt auf. Gib solchen Kameras nach Möglichkeit denselben Wert.

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