Das Studio fügt weniger als eine Sekunde hinzu. Dazu kommen die SRT-Latenz deiner Verbindung, die du selbst einstellst, und die Verzögerung der Plattform, die für die Zuschauer mehrere Sekunden beträgt.

Der größte Teil der Zeit zwischen deiner Kamera und dem Bildschirm eines Zuschauers entsteht also bei der Plattform, nicht im Studio.

Woraus sich die Verzögerung zusammensetzt

Abschnitt Größe Wer bestimmt sie
Kamera und Encoder je nach Gerät und App deine Quelle
SRT-Strecke zum Studio mindestens 200 ms, sonst der Wert aus deiner App du, in der App
Studio weniger als eine Sekunde fest
Plattform bis zum Zuschauer mehrere Sekunden die Plattform und ihre Einstellungen

Die ersten drei Abschnitte zusammen ergeben, wie spät dein Bild im Programm ist. Der vierte kommt für die Zuschauer obendrauf.

Die SRT-Latenz ist dein Stellrad

Die SRT-Latenz ist das Zeitfenster, in dem verlorene Pakete nachgeliefert werden. Dein Studio empfängt mit 200 ms. Verlangt deine App mehr, gilt der größere Wert.

Auf einer guten Leitung bleibt es bei etwa 200 ms. Im Mobilfunk sind 500 bis 2000 ms sinnvoll, je nach Netz. Diese Zeit kaufst du dir bewusst ein: Sie verhindert Bildfehler. Welcher Wert zu welcher Verbindung passt, steht in SRT-Latenz einstellen.

Was die Plattform hinzufügt

Twitch, YouTube und Kick verarbeiten deinen Stream und liefern ihn in Stücken an die Zuschauer aus. Das dauert mehrere Sekunden. Wie viele, hängt von der Plattform, von ihren Latenz-Einstellungen und vom Player des Zuschauers ab. Diese Zeit entsteht bei jedem Stream, auch wenn du direkt aus OBS an die Plattform sendest. Das Studio ändert daran nichts.

Die Plattformen bieten meist einen Modus für niedrige Latenz an. Wenn dir eine schnelle Reaktion auf den Chat wichtig ist, sieh in den Einstellungen deines Kanals nach.

Was das für dich bedeutet

Für den Chat. Zwischen einer Nachricht im Chat und deiner Antwort im Stream liegt vor allem die Verzögerung der Plattform. Die knappe Sekunde des Studios und eine SRT-Latenz von 200 ms fallen dagegen kaum ins Gewicht. Bei 2000 ms SRT-Latenz merkst du den Unterschied schon eher.

Für die Regie. Was du in der Regie siehst, ist um die Zeit der ersten Abschnitte später als die Wirklichkeit. Ein Schnitt wirkt im Programm sofort, weil alle Eingänge im Hintergrund mitlaufen. Bei den Zuschauern kommt er nach der Verzögerung der Plattform an.

Für mehrere Kameras. Jede Quelle bringt ihre eigene Verzögerung mit. Zeigen zwei Kameras dasselbe Geschehen und senden mit unterschiedlicher SRT-Latenz, siehst du beim Umschneiden einen kleinen Zeitsprung. Gib solchen Kameras denselben Latenzwert.

Für Bild und Ton. Die Verzögerung trifft Bild und Ton einer Quelle gemeinsam. Laufen beide trotzdem auseinander, liegt das an der Quelle und lässt sich je Eingang ausgleichen. Siehe Bild und Ton laufen auseinander.

Für Gespräche über den Stream. Wer das Programm nur auf der Plattform sieht, sieht es mehrere Sekunden zu spät. Für ein Gespräch zwischen zwei Personen an zwei Orten ist das zu viel. Nehmt dafür einen eigenen Anruf. Siehe Zu zweit aus zwei Städten streamen.

So hältst du die Verzögerung klein

  1. Stelle die SRT-Latenz nur so hoch ein, wie deine Verbindung es braucht. Auf Glasfaser und gutem WLAN reichen etwa 200 ms.
  2. Prüfe, ob deine App oder dein Encoder selbst puffert. Manche haben dafür eine eigene Einstellung.
  3. Schalte bei der Plattform den Modus für niedrige Latenz ein, wenn es einen gibt.
  4. Achte bei der Latenz auf die Einheit. Die meisten Apps rechnen in Millisekunden, ffmpeg in Mikrosekunden.

Spare nicht an der falschen Stelle. Eine SRT-Latenz, die für dein Netz zu knapp ist, bringt ein paar hundert Millisekunden und kostet Bildfehler und Lücken im Ton.

Der Ort der Server

Die Server stehen in Deutschland. An Twitch und YouTube wird der Stream an deren nächstem Ingest in Frankfurt übergeben. Für Streamer in Europa ist der Weg zum Studio kurz. Wer von weit außerhalb Europas sendet, hat einen längeren Weg zum Studio. Plane dort mehr SRT-Latenz ein.

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