Wenn bei einem Eingang die Stimme vor oder nach den Lippen kommt, stellst du in der Regie den Bild-Ton-Versatz dieses Eingangs ein. Ein positiver Wert verzögert den Ton, ein negativer Wert verzögert das Bild. Der Bereich reicht von −500 bis +1000 ms.
Den Versatz gibt es für jeden Eingang einzeln. Du korrigierst also nur die Quelle, bei der es nicht stimmt.
Welche Richtung brauchst du
Es wird immer das verzögert, was zu früh kommt.
| Was du beobachtest | Was zu tun ist | Wert |
|---|---|---|
| Der Ton kommt vor dem Bild: Du hörst das Klatschen, bevor die Hände sich treffen. | Ton verzögern | positiv, zum Beispiel +100 |
| Der Ton kommt nach dem Bild: Die Hände treffen sich, das Klatschen kommt später. | Bild verzögern | negativ, zum Beispiel −100 |
Der häufigere Fall ist ein Ton, der zu früh kommt. Kameras und Videoprozessoren brauchen für das Bild oft länger als für den Ton, vor allem wenn das Mikrofon getrennt von der Kamera angeschlossen ist.
Schritt für Schritt
- Finde den Eingang. Schneide nacheinander auf deine Szenen und achte darauf, bei welcher der Versatz auftritt. Tritt er bei allen gleich auf, lies weiter unten den Abschnitt über die Kontrolle.
- Lege den Eingang auf die Vorschau. Jede Änderung des Versatzes verursacht einen kurzen Sprung auf diesem Eingang. Auf der Vorschau merkt das niemand.
- Erzeuge ein klares Ereignis. Klatsche vor der Kamera in die Hände oder schlage zwei Gegenstände zusammen. Ein hartes, kurzes Geräusch mit einer sichtbaren Bewegung lässt sich viel besser beurteilen als Sprache.
- Stelle einen ersten Wert ein. Beginne mit einem groben Schritt, etwa 100 ms in die passende Richtung.
- Prüfe und verfeinere. Wiederhole das Klatschen. Ist es besser, aber noch nicht gut, gehe weiter in dieselbe Richtung. Ist es jetzt anders herum falsch, nimm die Hälfte zurück. So näherst du dich in wenigen Schritten.
- Schneide auf die Szene und kontrolliere im Stream. Erst dort siehst du, was deine Zuschauer sehen.
Woran du den Versatz zuverlässig beurteilst
Das Bild in der Regie ist ein Kontrollbild mit wenigen Bildern pro Sekunde. Für die Frage, ob eine Kamera ein Bild liefert, reicht das. Für einen Versatz von hundert Millisekunden ist es zu grob, auch mit „Flüssige Vorschau“.
Verlässlich ist der fertige Stream. Am einfachsten sendest du zur Probe an einen Kanal, den du selbst ansehen kannst, klatschst ein paar Mal und siehst dir das Ergebnis dort an. Der Stream kommt mit einigen Sekunden Verzögerung bei dir an. Das stört beim Beurteilen nicht, denn es geht nur um den Abstand zwischen Bild und Ton im Ergebnis.
Wenn der Wert nicht reicht oder wandert
- Der Bereich reicht nicht aus. Brauchst du mehr als 500 ms Bildverzögerung oder mehr als 1000 ms Tonverzögerung, stimmt an der Quelle etwas Grundsätzliches nicht. Suche dann dort: Viele Apps und Encoder haben eine eigene Einstellung für die Tonverzögerung.
- Der Versatz ändert sich im Lauf des Streams. Ein fester Wert kann nur einen festen Versatz ausgleichen. Wächst der Abstand mit der Zeit, liegt die Ursache an der Quelle. Verbinde sie neu und prüfe ihre Einstellungen.
- Der Versatz ist nach einem Neustart der App anders. Manche Quellen starten Bild und Ton nicht immer gleich. Prüfe den Versatz nach jedem Neuverbinden kurz mit einem Klatschen.
- Alle Eingänge wirken versetzt. Kontrolliere, ob du wirklich den Stream beurteilst und nicht das Kontrollbild im Browser zusammen mit „Mithören“.
Was der Versatz nicht ändert
Der Versatz verschiebt Bild und Ton eines Eingangs gegeneinander. Er gleicht nicht aus, dass zwei Kameras unterschiedlich spät im Studio ankommen, etwa weil sie mit verschiedener SRT-Latenz senden. Dafür gibst du den Kameras dieselbe Latenz. Siehe SRT-Latenz einstellen.