Bild und Ton laufen auseinander, weil sie auf dem Weg von der Aufnahme bis zum Encoder verschiedene Stationen durchlaufen und dafür unterschiedlich lange brauchen. Das Kamerabild wird verarbeitet, skaliert und vielleicht über eine Capture-Karte geführt. Der Ton kommt über ein Mikrofon, ein Interface oder eine Funkstrecke. Kommt der eine Weg später an als der andere, passen Lippen und Stimme nicht mehr zusammen.
Am besten behebst du den Versatz dort, wo er entsteht. Geht das nicht, lässt er sich später ausgleichen, indem man das schnellere von beiden verzögert.
Wie viel Versatz stört
Menschen sind empfindlicher, wenn der Ton zu früh kommt, als wenn er zu spät kommt. Ton, der dem Bild etwas nachläuft, kennen wir aus dem Alltag: Schall ist langsamer als Licht. Ton vor dem Bild kommt in der Natur nicht vor und fällt deshalb schnell auf.
Feste Grenzen gibt es nicht. Ein Versatz von wenigen Bildern stört bei einem Gespräch in Nahaufnahme deutlich, während er bei einer Totalen oder einem Spiel kaum auffällt.
Die häufigsten Ursachen
Bildverarbeitung in der Kamera. Kameras brauchen Zeit, um das Bild aufzubereiten, besonders mit Bildstabilisierung oder über einen HDMI-Ausgang. Der Ton eines getrennt angeschlossenen Mikrofons ist dann früher da als das Bild.
Capture-Karten. Eine Capture-Karte verzögert das Bild um einen kleinen, meist festen Betrag. Läuft das Mikrofon direkt in den Rechner, ist der Ton wieder früher.
Bluetooth und Funkstrecken. Drahtlose Mikrofone und Kopfhörer verzögern den Ton. Bei Bluetooth kann das deutlich hörbar sein, und der Wert unterscheidet sich je nach Gerät und Verbindung. Hier ist der Ton zu spät.
Getrennte Geräte. Kommt das Bild von der Kamera und der Ton aus einem Mischpult oder einem zweiten Rechner, hat jeder Weg seine eigene Laufzeit.
Filter und Effekte. Rauschunterdrückung, Kompressor oder Stimmeffekte brauchen Rechenzeit und verzögern den Ton.
Ein Versatz aus diesen Quellen ist konstant. Er ist nach zwei Stunden so groß wie nach zwei Minuten. Das ist die gute Nachricht, denn einen festen Wert kann man ausgleichen. Wächst der Versatz während des Streams, liegt etwas anderes vor, oft eine überlastete Verbindung oder ein überlastetes Gerät.
Messen mit einem Klatscher
Das Fernsehen nimmt dafür eine Klappe, dir reichen zwei Hände.
- Stell dich so vor die Kamera, dass deine Hände gut zu sehen sind.
- Klatsche ein paarmal deutlich, mit Pausen dazwischen.
- Zeichne das Ergebnis so auf, wie es beim Zuschauer ankommt, zum Beispiel mit einem nicht gelisteten Test-Stream oder der Aufzeichnung deiner Plattform.
- Spiele die Aufnahme Bild für Bild ab. Finde das Bild, in dem sich die Hände treffen, und die Stelle, an der du den Knall hörst.
Hörst du den Knall, bevor sich die Hände treffen, ist der Ton zu früh. Hörst du ihn danach, ist er zu spät. Zum Umrechnen: Bei 60 Bildern pro Sekunde dauert ein Bild etwa 17 ms, bei 30 Bildern etwa 33 ms. Drei Bilder Abstand bei 60 Bildern pro Sekunde sind also rund 50 ms.
Miss mehrere Klatscher und nimm den mittleren Wert. Ein einzelner kann täuschen.
Erst an der Quelle beheben
Wo es geht, behebst du den Versatz dort, wo er entsteht. Dann stimmt das Signal überall, auch in einer lokalen Aufnahme.
- Nimm den Ton über denselben Weg wie das Bild, etwa das Mikrofon direkt an der Kamera oder am Handy.
- Ersetze Bluetooth durch ein Kabel oder eine Funkstrecke mit geringer Verzögerung.
- Viele Programme und Apps haben eine Einstellung für den Versatz einer Tonquelle. In OBS findest du sie in den erweiterten Audioeigenschaften.
- Schalte Filter ab, die du nicht brauchst.
Wenn es an der Quelle nicht geht: Versatz im Studio
Manchmal kannst du an der Quelle nichts ändern. Die Kamera-App hat keine Einstellung dafür, der Encoder steht an einem anderen Ort, oder die Quelle gehört jemand anderem.
In PGM.NINJA hat deshalb jeder Eingang einen eigenen „Bild-Ton-Versatz“ von −500 bis +1000 ms. Ein positiver Wert verzögert den Ton, ein negativer das Bild.
- Ton zu früh, typisch bei Capture-Karten und Kameras mit langer Bildverarbeitung: positiver Wert.
- Ton zu spät, typisch bei Bluetooth-Mikrofonen: negativer Wert.
Der Wert gilt nur für diesen einen Eingang. Zwei Kameras mit unterschiedlichem Versatz bekommen jede ihren eigenen, und an den Quellen selbst ändert sich nichts.
Eines solltest du wissen: Jede Änderung verursacht auf diesem Eingang einen kurzen Sprung. Stelle den Versatz deshalb ein, solange der Eingang auf der Vorschau liegt und nicht auf dem Programm. Die Schritte stehen in Bild und Ton asynchron.
Und wenn der Versatz wandert
Ein Versatz, der sich während des Streams ändert, lässt sich mit einem festen Wert nicht beheben. Prüfe dann:
- ob das sendende Gerät überlastet oder heiß ist,
- ob die Verbindung Pakete verliert, zu sehen in der Verbindungsanzeige auf dem Tab „Eingänge“,
- ob eine drahtlose Tonstrecke ihre Verbindung immer wieder neu aufbaut.
Was bei einer schlechten Verbindung hilft, steht in Das Bild ruckelt.