Die Verzögerung in einem Livestream ist die Summe aus mehreren Stationen: Kamera und Encoder, der Weg ins Studio, das Studio selbst und die Plattform mit ihrem Player. Den mit Abstand größten Teil trägt die Plattform bei, nämlich mehrere Sekunden. Alles davor liegt zusammen meist deutlich darunter.

Daraus folgt, wo es sich lohnt zu drehen. Die Einstellung der Plattform für niedrige Latenz bewirkt am meisten. An den Stationen davor geht es um Zehntelsekunden, die du besser für die Stabilität ausgibst.

Die Stationen der Reihe nach

Station Größenordnung Wer bestimmt sie
Kamera und Encoder Bruchteile einer Sekunde Gerät und App
Weg ins Studio (SRT-Latenz) so viel, wie du in der App einstellst du
Studio weniger als eine Sekunde der Dienst
Plattform und Player mehrere Sekunden Plattform, zum Teil deine Einstellung

Kamera und Encoder

Die Kamera bereitet das Bild auf, die App kodiert es. Beides braucht Zeit, weil ein Encoder mehrere Bilder betrachtet, um gut zu komprimieren. Dazu kommt das Verpacken von Bild und Ton in einen gemeinsamen Datenstrom. In Summe sind das Bruchteile einer Sekunde. Beeinflussen kannst du es kaum, außer durch Einstellungen, die die Bildqualität spürbar verschlechtern.

Der Weg ins Studio

Hier wirkt die SRT-Latenz. SRT hält den Stream beim Empfänger um eine feste Zeit zurück, um verlorene Pakete nachsenden zu können. Diese Zeit ist die Latenz, und sie geht vollständig in die Verzögerung ein.

Bei PGM.NINJA puffert das Studio standardmäßig 200 ms. Verlangt deine App einen höheren Wert, gilt der größere. Du stellst ihn also in der App ein. Auf einer guten Leitung reicht der Standard. Im Mobilfunk ist ein höherer Wert sinnvoll, weil er dem Netz mehr Zeit zum Reparieren gibt. Wie du ihn wählst, steht in SRT-Latenz einstellen, und wie das Nachsenden funktioniert, in Was ist SRT?.

Die reine Laufzeit der Daten durch das Netz kommt hinzu. Innerhalb Europas ist sie klein. Die Server von PGM.NINJA stehen in Deutschland; wer von weit außerhalb Europas sendet, hat einen längeren Weg bis ins Studio.

Das Studio

Ein Studio dekodiert alle Quellen, bringt Bild und Ton jeder Quelle zueinander, mischt, legt das Overlay darüber und kodiert das Programm neu. Bei PGM.NINJA kostet das weniger als eine Sekunde, zusätzlich zur SRT-Latenz deiner Verbindung und zu dem, was die Plattform hinzufügt. Diesen Wert kannst du nicht verändern.

Stellst du für einen Eingang einen Bild-Ton-Versatz ein, wird eines von beiden absichtlich verzögert. Das ist eine Korrektur zwischen Bild und Ton und betrifft nur diesen Eingang; mehr dazu in Warum Bild und Ton auseinanderlaufen.

Plattform und Player

Die Plattform nimmt deinen Stream an, wandelt ihn in mehrere Qualitätsstufen um, zerlegt ihn in kurze Stücke und verteilt diese weltweit. Der Player beim Zuschauer lädt einige Stücke im Voraus, damit das Bild bei einer kurzen Störung nicht stehen bleibt. Jeder dieser Schritte kostet Zeit, zusammen sind es mehrere Sekunden.

Wie viele, hängt von der Plattform und ihrer Einstellung für niedrige Latenz ab, außerdem vom Gerät und von der Verbindung des einzelnen Zuschauers. Zwei Zuschauer desselben Streams sehen ihn deshalb nicht im selben Moment.

Was du beeinflussen kannst

Die Latenz-Einstellung der Plattform. Das ist der größte Hebel. Die großen Plattformen bieten einen Modus für niedrige Latenz an. Schau in den Stream-Einstellungen deiner Plattform nach, ob er eingeschaltet ist. Er verkürzt die Verzögerung um Sekunden. Der Preis ist ein kleinerer Puffer beim Zuschauer, also etwas mehr Empfindlichkeit bei dessen schlechter Verbindung.

Die SRT-Latenz. Wähle sie so hoch, wie dein Netz sie braucht, und nicht höher. Von 200 ms auf eine Sekunde zu gehen kostet 0,8 Sekunden Verzögerung und kann einen Stream retten, der sonst voller Bildfehler wäre. Gemessen an dem, was die Plattform hinzufügt, ist das wenig. Zu sparsam zu sein ist hier der häufigere Fehler.

Das Keyframe-Intervall. Ein Keyframe alle 2 Sekunden ist der übliche Wert.

Die Zahl der Stationen. Jede zusätzliche Station, die den Stream dekodiert und neu kodiert, kostet Zeit. Ein Aufbau aus Handy, Relay, OBS zu Hause und Plattform hat mehr davon als einer mit einem einzigen Studio dazwischen.

Was du nicht beeinflussen kannst

Die Verarbeitung bei der Plattform und den Puffer im Player der Zuschauer bestimmst du nicht, abgesehen vom Modus für niedrige Latenz. Auch das Studio hat einen festen Anteil. Eine Verzögerung von null gibt es bei einem Stream über eine Plattform nicht.

Wie du mit der Verzögerung arbeitest

Die Verzögerung fällt vor allem im Chat auf. Du sagst etwas, und die Antwort kommt Sekunden später.

  • Miss sie einmal: Halte eine Uhr mit Sekundenanzeige in die Kamera und vergleiche sie mit dem Stream auf einem zweiten Gerät.
  • Rechne beim Antworten auf den Chat damit, dass sich Nachrichten auf etwas beziehen, das für dich schon vorbei ist.
  • Sind mehrere Personen an verschiedenen Orten zugeschaltet, sprecht nicht über den Stream miteinander, sondern über eine eigene Verbindung, etwa einen Sprachanruf. Der Stream ist für ein Gespräch zu langsam.
  • Die Bilder in der Regie sind Kontrollbilder. Für die Verzögerung beim Zuschauer zählt, was die Plattform zeigt.

Eine Übersicht speziell für dein Studio steht in Verzögerung.

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