Ein Live-Podcast aus zwei Städten besteht aus zwei getrennten Verbindungen: einer schnellen, über die ihr miteinander sprecht, und einer zweiten, über die euer Bild und Ton zum Publikum gehen. Die erste ist ein gewöhnlicher Sprachanruf mit Kopfhörern. Die zweite ist der Stream. Wer beides vermischt und versucht, sich über den Stream zu unterhalten, redet mit mehreren Sekunden Verzögerung aneinander vorbei.

Mit PGM.NINJA kommt eine Besonderheit dazu, die den ganzen Plan bestimmt. Auf Sendung ist immer eine Szene, und eine Szene ist ein Eingang mit seinem Bild und seinem Ton. Den Ton zweier Eingänge mischt das Studio heute nicht: Bei einem Schnitt wechselt der Ton mit dem Bild. Eine geteilte Ansicht mit beiden Hosts nebeneinander gibt es auch nicht. Der Aufbau muss also dafür sorgen, dass jeder Eingang für sich das ganze Gespräch enthält.

Der Aufbau: Jeder sendet beide Stimmen

Ihr sprecht über einen Sprachanruf, zum Beispiel Discord, beide mit Kopfhörern. Jeder Host sendet aus OBS per SRT an seinen eigenen Eingang des Studios:

  • das Bild der eigenen Kamera
  • das eigene Mikrofon
  • dazu den Ton des Anrufs, also die Stimme des anderen
Eingang Bild Ton
1 Host in Stadt A Mikrofon A und Stimme B aus dem Anruf
2 Host in Stadt B Mikrofon B und Stimme A aus dem Anruf

Egal welche Szene auf Sendung ist, das Publikum hört beide. Die Regie schneidet auf den, der gerade spricht, oder bleibt bei längeren Passagen einfach bei einem Bild.

Die Kopfhörer sind Pflicht. Ohne sie nimmt dein Mikrofon die Stimme des anderen aus dem Lautsprecher auf, und sie ist doppelt im Stream.

Was dabei nicht perfekt ist

Diese Lösung ist ein Umweg, und er hat Kanten.

  • Die Stimme des anderen kommt in Anrufqualität. In Szene 1 klingt Host A wie im Studio und Host B wie am Telefon. Beim Schnitt dreht sich das um. Ein Anruf mit guter Tonqualität und zwei ordentliche Mikrofone machen den Unterschied klein, aber nicht unhörbar.
  • Beim Schnitt verschiebt sich das Gespräch um einen Moment, weil die Stimme aus dem Anruf später ankommt als das Mikrofon vor Ort. In der Praxis fällt das kaum auf, vor allem wenn ihr nicht mitten im Wort schneidet.
  • Es geht nur mit OBS oder einer vergleichbaren Software. Eine Handy-App sendet in der Regel nur ihr eigenes Mikrofon. Sendet ein Host vom Handy, enthält seine Szene nur seine Stimme.

Die Alternative: Einer baut das Bild

Wollt ihr beide gleichzeitig im Bild sein, baut einer von euch das Bild selbst. Host A holt das Kamerabild von Host B aus dem Videoanruf als Fensteraufnahme in sein OBS, stellt beide nebeneinander, mischt beide Stimmen und sendet das Ergebnis als einen einzigen Eingang.

Das Bild von Host B hat dann die Qualität des Videoanrufs, und alles hängt an der Leitung von Host A. Dafür gibt es ein gemeinsames Bild und nur einen Ton.

Beide Wege lassen sich verbinden: Eingang 1 ist das gebaute Doppelbild, Eingang 2 die Kamera von Host B in voller Qualität für Passagen, in denen er länger allein spricht.

Wann ein anderes Werkzeug besser passt

Wenn euer Format vor allem aus zwei oder mehr Menschen vor Webcams besteht, die nebeneinander im Bild sind, dann sind Browser-Studios wie Restream oder StreamYard dafür gebaut. Gäste kommen dort per Link mit Webcam und Mikrofon dazu. Das kann PGM.NINJA nicht.

PGM.NINJA passt, wenn ihr mit richtigen Kameras und OBS arbeitet, die Bildqualität der einzelnen Kamera zählt und ihr nur an den Tagen bezahlen wollt, an denen ihr sendet. Den Vergleich findest du in StreamYard-Alternative für Kameras.

Den Ton einstellen

Der Ton entsteht an zwei Stellen, und jede hat ihre Aufgabe.

  1. Bei jedem Host: das Verhältnis von eigenem Mikrofon zur Stimme aus dem Anruf. Beide sollen gleich laut sein. Das stellt jeder in seinem OBS ein.
  2. In der Regie: die Lautstärke jedes Eingangs als Ganzes. Gleicht beide an, damit ein Schnitt nicht lauter oder leiser wird. Mit „Mithören“ hörst du Programm oder Vorschau im Browser.

Liegt ein Mikrofon nur auf dem linken Kanal, legt der Schalter „Mono“ den Ton auf beide Kanäle. Bedenke, dass er den ganzen Eingang betrifft, also auch die Stimme aus dem Anruf, und dass ein einseitiges Signal dabei 6 dB leiser wird. Passen Lippen und Stimme eines Hosts nicht zusammen, korrigiert der Bild-Ton-Versatz den Eingang. Stell ihn ein, solange der Eingang auf der Vorschau liegt. Mehr in Ton mischen und A/V-Sync erklärt.

Die Folge aufzeichnen

Ein Podcast soll meist auch als Datei erscheinen. Das Studio zeichnet nicht auf. Nehmt deshalb beide lokal auf, jeder sein eigenes Mikrofon in voller Qualität. Für die Veröffentlichung schneidet ihr die beiden Spuren zusammen und habt einen besseren Ton als im Livestream.

Der Ablauf am Sendetag

  1. Vor dem Start die Zahl der Eingänge festlegen. Sie lässt sich im laufenden Studio nicht ändern.
  2. Studio starten, beide senden an ihre Adresse vom Tab „Eingänge“.
  3. Sprachanruf aufbauen, Kopfhörer auf, lokale Aufnahmen starten.
  4. In der Regie beide Eingänge abhören und die Pegel angleichen.
  5. Ziele einschalten und auf Sendung gehen.

Wer schneidet, klärt ihr vorher. Die Regie läuft im Browser, also kann es einer der Hosts nebenbei tun oder eine dritte Person.

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