Wenn das Bild einer Quelle ruckelt, stehen bleibt oder in Blöcke zerfällt, sind auf dem Weg von der Kamera zum Studio Pakete verloren gegangen. Die Ursache ist fast immer eine von dreien: Die Bitrate ist zu hoch für die Leitung, die SRT-Latenz ist zu niedrig, oder die Leitung ist an diesem Ort einfach zu schwach.
Bevor du etwas änderst, prüfe zwei Dinge: ob du das Problem wirklich im Stream siehst und nicht nur in der Vorschau, und was die Anzeige der Leitungsqualität sagt.
Erst klären: Vorschau oder Stream
Die Vorschau im Browser ist ein Kontrollbild. Sie zeigt nur einige Bilder pro Sekunde und sagt nichts über die Qualität des Streams. Dass sie abgehackt wirkt, ist normal. Mit „Flüssige Vorschau“ bekommst du mehr Bilder pro Sekunde, aber auch das ist nicht das Bild, das deine Zuschauer sehen.
Beurteile Ruckler deshalb auf der Plattform, also im Stream bei Twitch oder YouTube. Blockartefakte und eingefrorene Bilder erkennst du dagegen auch in der Vorschau.
Die Anzeige der Leitungsqualität lesen
Auf dem Tab „Eingänge“ steht für jeden Eingang die Bitrate und zwei Zähler:
| Zähler | Bedeutung | Folge |
|---|---|---|
| „Repariert“ | Pakete, die als Wiederholung ankamen. SRT hat sie rechtzeitig ersetzt. | keine, nichts zu sehen und nichts zu hören |
| „Verloren“ | Pakete, die nie ankamen. | Bildfehler bis zum nächsten Keyframe, Lücken im Ton |
Daraus ergeben sich drei Lagen:
- Beide Zähler stehen. Die Leitung ist sauber. Ruckelt es trotzdem, liegt es an der Quelle selbst, zum Beispiel an einem überlasteten Handy oder Rechner, der nicht alle Bilder schafft.
- „Repariert“ steigt, „Verloren“ steht. Die Leitung verliert Pakete, aber SRT fängt es auf. Das ist der Normalfall unterwegs und kein Grund zum Eingreifen.
- „Verloren“ steigt. Jetzt entstehen sichtbare Fehler. Hier setzen die nächsten Schritte an.
Die Bitrate ist zu hoch für die Leitung
Das ist die häufigste Ursache. Schickt die App mehr, als die Leitung trägt, staut es sich, und Pakete kommen zu spät oder gar nicht. Richtwerte:
- etwa 3 bis 4 Mbit/s auf wackligem Mobilfunk,
- 6 Mbit/s auf gutem 5G, WLAN oder Glasfaser,
- mehr nur auf einer Leitung, von der du weißt, dass sie gut ist.
Sende mit konstanter Bitrate. Senke sie in Schritten und beobachte den Zähler „Verloren“. Ein sauberes Bild mit 4 Mbit/s sieht besser aus als ein zerfallendes mit 8.
Die SRT-Latenz ist zu niedrig
SRT fordert verlorene Pakete nach, aber nur innerhalb eines Zeitfensters. Das ist die Latenz. Ist das Fenster zu kurz, kommt die Wiederholung zu spät, und das Paket zählt als verloren.
Das Studio puffert von sich aus 200 ms. Verlangt deine App mehr, gilt der größere Wert. Du stellst die Latenz also in der App ein. Steigt „Verloren“ auf einer Leitung mit langen Laufzeiten, etwa im Mobilfunk, erhöhe den Wert schrittweise. Der Preis ist Verzögerung: Jede Millisekunde mehr kommt später im Studio an. Wie du den Wert wählst, steht in SRT-Latenz einstellen.
Das Keyframe-Intervall ist zu lang
Ein verlorenes Paket stört das Bild so lange, bis der nächste Keyframe kommt. Erst der baut das Bild wieder vollständig auf. Sendet dein Encoder nur alle zehn Sekunden einen Keyframe, bleibt ein Fehler bis zu zehn Sekunden sichtbar. Stell einen Keyframe alle 2 Sekunden ein. Dann ist ein Fehler nach spätestens zwei Sekunden vorbei.
WLAN oder Mobilfunk
Beide haben ihre eigenen Schwächen:
- WLAN ist nah am Router meist stabil. Es bricht ein, wenn du dich entfernst, wenn Wände dazwischen sind oder wenn sich viele Geräte das Netz teilen, wie auf Veranstaltungen. Gäste-WLANs drosseln UDP oft ganz, siehe SRT im Hotel- oder Firmen-WLAN.
- Mobilfunk schwankt mit Ort und Auslastung. In Bewegung wechselt das Handy die Funkzelle, und in Menschenmengen teilen sich viele eine Zelle. Rechne dort mit niedrigeren Bitraten.
Ein einfacher Vergleich hilft: dieselbe Quelle einmal über WLAN und einmal über mobile Daten senden und die Zähler ansehen. Das Bündeln mehrerer Mobilfunkverbindungen (SRTLA-Bonding) nimmt das Studio noch nicht an, es ist geplant.
Reihenfolge zum Abarbeiten
- Auf der Plattform prüfen, ob der Fehler im Stream ist.
- Auf dem Tab „Eingänge“ nachsehen, bei welchem Eingang „Verloren“ steigt.
- Die Bitrate dieser Quelle senken.
- Die SRT-Latenz in der App erhöhen.
- Keyframe-Intervall auf 2 Sekunden stellen.
- Das Netz wechseln.
Fällt eine Quelle ganz aus, bleibt der Stream zur Plattform online, und du schneidest von Hand auf eine andere. Mehr dazu in Wenn eine Kamera ausfällt.