SRT läuft über UDP, und viele Hotel-, Firmen- und öffentliche WLANs blockieren oder drosseln UDP nach außen. Dann verbindet sich deine Kamera-App nicht mit dem Studio, obwohl dieselbe Einstellung zu Hause funktioniert hat.

Der schnellste Ausweg ist das Mobilfunknetz: WLAN aus, mobile Daten an, oder ein Hotspot vom Handy. Auf Dauer hilft nur, dass der Betreiber des Netzes die Verbindung freigibt.

Warum das passiert

Die meisten Internetdienste laufen über TCP: Webseiten, E-Mail, auch RTMP. Netze für Gäste sind oft so eingestellt, dass nur das Nötigste durchkommt, und UDP zu unbekannten Ports gehört für viele Betreiber nicht dazu. Manche Netze sperren es ganz, andere lassen es durch und drosseln es stark.

SRT braucht UDP, weil es verlorene Pakete innerhalb eines kurzen Zeitfensters selbst nachfordert. Das macht es auf schlechten Leitungen robust, aber es setzt voraus, dass UDP überhaupt durchkommt.

Woran du es erkennst

Es gibt zwei Bilder.

Ganz gesperrt. Die App meldet, dass sie keine Verbindung bekommt, oder versucht es endlos. Im Studio steht der Eingang auf dem Tab „Eingänge“ auf „Kein Signal“. Surfen funktioniert dabei ganz normal, was die Suche in die falsche Richtung lenkt.

Gedrosselt. Die Verbindung kommt zustande, aber das Bild ruckelt oder zerfällt in Blöcke. In der Anzeige der Leitungsqualität auf dem Tab „Eingänge“ steigen die Zahlen unter „Repariert“ und „Verloren“, obwohl das WLAN selbst stark aussieht.

Der Test in einer Minute

  1. Lass alle Einstellungen der App, wie sie sind.
  2. Schalte am Gerät das WLAN aus und sende über mobile Daten.
  3. Schau auf dem Tab „Eingänge“, ob der Eingang auf „Verbunden“ springt.

Kommt das Bild über Mobilfunk an, sind Adresse, Stream-ID und Codec richtig, und das WLAN ist die Ursache. Kommt es auch über Mobilfunk nicht an, liegt es an etwas anderem. Dann hilft Kein Bild im Studio: die Checkliste.

Ausweg 1: mobile Daten oder Hotspot

Sendet ein Handy, nimmst du einfach dessen mobile Daten. Sendet ein Laptop oder ein Hardware-Encoder, hängst du ihn an den Hotspot eines Handys.

Achte auf das Datenvolumen. Ein Stream verbraucht ungefähr:

Bitrate Verbrauch pro Stunde
4 Mbit/s etwa 1,8 GB
6 Mbit/s etwa 2,7 GB

Auf wackligem Mobilfunk sind etwa 3 bis 4 Mbit/s eine vernünftige Bitrate, auf gutem 5G 6 Mbit/s. Mehr dazu in Encoder-Einstellungen.

Nur die Quelle muss das Netz wechseln. Jede Quelle sendet für sich an dein Studio, und vom Studio zu Twitch oder YouTube geht der Stream von unseren Servern aus. Der Upload zu den Plattformen belastet deine Verbindung also nicht zusätzlich.

Ausweg 2: den Betreiber des Netzes fragen

Bei einer Veranstaltung, die du geplant streamst, lohnt die Frage an die Haustechnik oder die IT. Was du brauchst, lässt sich genau benennen:

  • ausgehende Verbindungen per UDP,
  • zu dem Host und dem Port, die in der Adresse deines Eingangs stehen.

Die Adresse hat die Form srt://<host>:<port>?streamid=<id> und steht auf dem Tab „Eingänge“. Sie bleibt normalerweise für jeden Stream gleich, die Freigabe muss also nur einmal eingerichtet werden. Jeder Eingang hat seine eigene Adresse. Benutzt du mehrere Kameras im selben Netz, gib die Adressen aller Eingänge weiter.

Frag früh und teste vor Ort, bevor es ernst wird. Eine Zusage am Telefon ersetzt den Test nicht.

Was nicht hilft

  • Auf RTMP umstellen. Dein Studio nimmt Quellen per SRT an. RTMP ist das Protokoll, mit dem das Studio an die Plattformen sendet, nicht das für deine Kameras.
  • Eine Passphrase setzen. Das Studio nimmt SRT ohne Verschlüsselung an, das Feld bleibt leer. An der Sperre ändert es ohnehin nichts.
  • Die SRT-Latenz erhöhen. Das hilft gegen Paketverluste auf einer schwachen Leitung, aber nicht gegen ein Netz, das UDP gar nicht durchlässt.
  • Mehrere Mobilfunkverbindungen bündeln. SRTLA-Bonding nimmt das Studio noch nicht an, es ist geplant. Eine einfache SRT-Verbindung aus denselben Apps funktioniert.

Vor einer Reise

Wer im Hotel oder auf einer Messe streamen will, plant den Mobilfunk gleich mit ein: genug Datenvolumen, bei Reisen ins Ausland ein passender Tarif, und einmal testen, bevor die Sendung beginnt. Kommt das WLAN vor Ort dann doch durch, umso besser.

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