Für die meisten Streamer ist ein zweiter PC nicht mehr nötig. Er wurde gebraucht, als das Kodieren des Streams den Prozessor so stark belastete, dass das Spiel darunter litt. Heute kodiert die Grafikkarte nebenbei, und was darüber hinausgeht, etwa mehrere Plattformen gleichzeitig, lässt sich an einen Server abgeben.
Ganz verschwindet die Arbeit auf deinem Rechner aber nicht. Das Spiel muss aufgenommen und einmal kodiert werden, damit es ins Netz kann. Die Frage ist also nicht, ob du lokal kodierst, sondern wie oft und wofür.
Was der zweite PC getan hat
Ein klassisches Zwei-PC-Setup trennt Spielen und Senden. Der Gaming-PC gibt sein Bild über eine Capture-Karte an den Streaming-PC, und der erledigt den Rest:
- Kodieren, früher meist auf dem Prozessor, weil das die beste Qualität pro Bitrate gab
- Szenen, Overlays und Browserquellen, die ebenfalls Rechenzeit und Speicher kosten
- mehrere Ausgaben: ein Stream zu Twitch, einer zu YouTube, dazu eine Aufnahme
- Sicherheit: Stürzt das Spiel ab oder startet der Gaming-PC neu, läuft der Stream weiter
Der Preis dafür ist ein zweiter Rechner mit Strom, Platz, Lärm, Kabeln für Bild und Ton und einer zweiten Installation, die gepflegt werden will.
Was in die Cloud wandern kann
Das Kodieren für die Plattformen. Dein PC sendet einen einzigen Stream an einen Server, und der Server kodiert das Programm für die Plattformen. Bei PGM.NINJA geschieht das auf einer GPU im Rechenzentrum.
Mehrere Plattformen. Wer von zu Hause gleichzeitig an drei Plattformen sendet, braucht den dreifachen Upload und je nach Einstellung mehrere Kodierungen. Über einen Server ist es ein Upload. PGM.NINJA sendet das Programm an bis zu acht RTMP(S)-Ziele. Hängt eines, verbindet es sich selbst neu und die anderen merken nichts davon. Mehr in Ein Upload, viele Plattformen.
Das Overlay. Alerts, Chatbox und Widgets sind Webseiten. Im Studio läuft eine solche Seite auf dem Server und wird dort über das Bild gelegt, statt als Browserquelle auf deinem PC zu rechnen. Es ist genau eine Seite über das ganze Bild, siehe Browserquelle ohne OBS.
Die Sicherheit bei einem Absturz. Fällt dein PC aus, bleibt der Stream zur Plattform online und das Overlay läuft weiter. Dein Bild fehlt, bis der Rechner wieder sendet. Dann ist es ohne Neustart des Streams zurück. Eine automatische „Gleich zurück“-Szene gibt es noch nicht, du oder ein Mod schneidet von Hand auf eine andere Quelle.
Was auf deinem PC bleibt
- Die Aufnahme des Spiels. Das Bild entsteht auf deinem Rechner und muss dort abgegriffen werden.
- Eine Kodierung. Der Stream zum Server ist H.264, am besten mit dem Hardware-Encoder der Grafikkarte, mit konstanter Bitrate und einem Keyframe alle 2 Sekunden. Das kostet etwas Leistung, aber nur einmal.
- Alles, was im Bild zusammengesetzt wird. Das Studio zeigt eine Quelle über das ganze Bild. Bild-in-Bild kann es noch nicht. Soll deine Facecam als kleines Fenster über dem Spiel liegen, baust du das weiter in OBS.
- Die Aufnahme. Das Studio zeichnet nicht auf. Wer Material für Videos braucht, nimmt lokal auf.
OBS bleibt also auf deinem Rechner, aber mit weniger Arbeit: eine Szene, eine Ausgabe, kein Rechnen für drei Plattformen. Wie du OBS per SRT sendest, steht in Encoder-Einstellungen.
Die zweite Kamera als eigene Quelle
Ein Vorteil, den der zweite PC nie hatte: Quellen müssen nicht durch deinen Gaming-PC laufen. Eine zweite Kamera, etwa ein Handy auf einem Stativ, sendet selbst per SRT an einen eigenen Eingang des Studios. In der Regie ist sie eine eigene Szene über das ganze Bild, auf die du für die Begrüßung oder eine Pause schneidest. Der Ton wechselt dabei mit dem Bild: Auf dieser Szene ist das Mikrofon der Kamera zu hören, nicht das an deinem PC, denn zwei Eingänge mischt das Studio nicht. Die Kamera läuft auch dann weiter, wenn dein PC abstürzt. Die Einrichtung beschreibt Zweite Kamera beim Gaming.
Der Vergleich
| Aufgabe | Zwei PCs | Ein PC und ein Studio in der Cloud |
|---|---|---|
| Spiel aufnehmen | Capture-Karte | OBS auf dem Gaming-PC |
| Kodieren für die Plattform | Streaming-PC | Server |
| Mehrere Plattformen | mehrere Ausgaben, mehr Upload | ein Upload, bis zu acht Ziele |
| Overlay | Browserquelle lokal | eine Seite auf dem Server |
| Facecam im Spielbild | lokal | lokal in OBS |
| Aufnahme | lokal | lokal |
| Stream überlebt PC-Absturz | ja | ja, das Bild fehlt bis zur Rückkehr |
| Verzögerung | keine zusätzliche | weniger als eine Sekunde im Studio |
Wer den zweiten PC behalten sollte
Es gibt gute Gründe, bei zwei Rechnern zu bleiben:
- Du baust aufwendige Szenen mit vielen Quellen, Überblendungen und OBS-Plugins. Das Studio hat einen harten Schnitt und keine Layouts.
- Dein Spiel lastet die Grafikkarte so aus, dass selbst eine Kodierung stört.
- Dein Upload ist knapp oder unzuverlässig. Auch der eine Stream zum Server braucht eine Leitung, die ihn trägt.
- Du hast den zweiten PC schon, er läuft, und du sendest nur an eine Plattform. Dann gibt es wenig zu gewinnen.
Wer dagegen überlegt, einen Streaming-PC anzuschaffen, um auf mehreren Plattformen zu senden oder den Stream gegen Abstürze zu sichern, sollte vorher prüfen, ob ein Server dieselbe Aufgabe übernimmt. Die Abwägung im Einzelnen steht in OBS zu Hause oder in der Cloud.