Mit einem zweiten Eingang wird dein Handy zur zweiten Kamera: OBS sendet das Gameplay an Eingang 1, eine SRT-App auf dem Handy sendet an Eingang 2, und du wechselst in der Regie im Browser zwischen beiden.
Das ist ein Umschalten zwischen zwei Vollbildern, kein Bild im Bild. Eine Facecam, die klein im Spielbild sitzt, baust du weiterhin in OBS. Und mit dem Bild wechselt auch der Ton: Solange das Handy auf Sendung ist, sind Spielton und Mikrofon aus OBS nicht zu hören.
Wofür sich das lohnt
- Ein Blick auf dein Setup, die Tastatur oder die Hände am Controller.
- Eine Pause, in der du vom Schreibtisch aufstehst und das Handy mitnimmst.
- Ein Moment zwischen zwei Runden, in dem du die Zuschauer direkt ansprichst, in voller Bildgröße statt im kleinen Fenster.
- Etwas vor der Kamera zeigen, das im Facecam-Ausschnitt zu klein wäre.
Einrichten
- Zwei Eingänge einstellen. Lege auf dem Tab „Eingänge“ mindestens zwei Eingänge fest, bevor du das Studio startest. Im laufenden Studio lässt sich die Zahl nicht ändern.
- OBS an Eingang 1 senden lassen. Trage in OBS die Adresse von Eingang 1 als Streaming-Ziel ein. Sie hat
die Form
srt://<host>:<port>?streamid=<id>. OBS sendet damit nicht mehr direkt an Twitch, sondern an dein Studio. Das Studio gibt das Programm an deine Ziele weiter. - Handy an Eingang 2 senden lassen. Installiere eine App, die SRT sendet, zum Beispiel Moblin auf dem iPhone, IRL Pro auf Android oder Larix Broadcaster auf beiden. Trage die Adresse von Eingang 2 ein. Manche Apps wollen Host, Port und Stream-ID in getrennten Feldern.
- Einstellungen prüfen. Beide Quellen senden H.264 mit AAC-Ton und einem Keyframe alle 2 Sekunden. Siehe Die richtigen Encoder-Einstellungen.
- Regie öffnen. Lege die Regie in einen Browser-Tab auf einem zweiten Bildschirm oder öffne sie auf einem Tablet. Du siehst zwei Szenen mit Bild und Pegel.
- Auf Sendung gehen. Das Gameplay liegt im Programm, das Handy auf der Vorschau.
Die Adressen bleiben normalerweise für jeden Stream dieselben. Das Einrichten machst du einmal.
Umschalten
Mit dem Handy auf der Vorschau genügt „Take“, um auf die Kamera zu wechseln, und ein zweiter „Take“, um zum Spiel zurückzukehren. Beide Eingänge laufen im Hintergrund mit, der Schnitt wirkt sofort. Er ist ein harter Schnitt. Überblendungen gibt es noch nicht.
Wer mitten im Spiel nicht zur Maus greifen will, legt den Wechsel auf eine Taste. Das Studio spricht das OBS-WebSocket-Protokoll, deshalb funktionieren Stream-Deck-Plugins für OBS, Bitfocus Companion und Apps wie OBS Blade. Die Verbindungsdaten stehen auf dem Tab „Fernsteuerung“.
Der Ton wechselt mit
Im Studio ist immer der Ton des Eingangs zu hören, der im Programm liegt, dazu der Ton des Overlays. Die Eingänge werden nicht gemischt. Schneidest du auf das Handy, hören deine Zuschauer das Mikrofon des Handys. Der Spielton und dein Mikrofon aus OBS sind in dieser Zeit weg.
Das hat Folgen für die Art, wie du die Handy-Kamera einsetzt:
- Nutze sie für einen bewussten Kameramoment. Ein Wechsel auf das Handy ist ein Wechsel der ganzen Szene, nicht ein zusätzlicher Blickwinkel über dem laufenden Spiel.
- Sprich ins Handy, solange es auf Sendung ist. Dein Headset-Mikrofon hängt an OBS und ist dann nicht zu hören. Halte das Handy nah genug oder schließe ein Mikrofon daran an.
- Gleiche die Lautstärke an. Stelle den Regler von Eingang 2 so ein, dass deine Stimme vom Handy ähnlich laut ist wie in OBS. Am besten machst du das, während das Handy auf der Vorschau liegt.
- Soll das Handy nur Bild liefern, schalte Eingang 2 auf „Stumm“. Dann ist während dieser Szene nur das Overlay zu hören.
Was in OBS bleibt
Alles, was im Spielbild liegen soll, baust du weiter in OBS: die kleine Facecam in der Ecke, Rahmen, Texte, Bildquellen. Das Studio setzt keine Quellen nebeneinander oder ineinander. Es schaltet zwischen ganzen Eingängen um und legt eine Overlay-Seite über das Bild.
Deine Alerts kannst du an einer von zwei Stellen einbinden, aber nicht an beiden:
- als Browserquelle in OBS. Dann sind sie nur zu sehen, solange das Gameplay im Programm ist.
- als Overlay im Studio. Dann liegen sie über jeder Szene, auch über der Handy-Kamera.
Die Verzögerung
Das Gameplay läuft jetzt über das Studio statt direkt zur Plattform. Das Studio fügt weniger als eine Sekunde hinzu, dazu kommt die SRT-Latenz der Strecke. Gegenüber den Sekunden, die die Plattform selbst für die Zuschauer hinzufügt, ist das wenig. Mehr dazu in Wie viel Verzögerung fügt das Studio hinzu?.